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08.06.2017    Timo über die 24 Stunden von Le Mans: Erfolge, Niederlagen, Momente - ganz persönliche Einblicke

In nur wenigen Tagen startet der Marathon von Le Mans. In der Ruhe vor dem Sturm gibt Timo ganz persönliche Einblicke in seine Beziehung zu dem Langstreckenklassiker.

„Seit den frühen Tagen meiner Porsche-Laufbahn im Junior-Team und bis heute arbeitet Alex Wiggenhauser als Mechaniker an meinem Auto. Er hat immer geschwärmt von Le Mans. Er erzählte auch von den GT1-Einsätzen und dem bis dahin letzten Porsche-Gesamtsieg 1998. Ich konnte mir das nie vorstellen. Als ich 2002 das erste Mal in der GT-Klasse startete, habe ich allmählich verstanden, was der Mythos Le Mans bedeutet. Wir haben damals die Klasse gewonnen, aber die Gesamtsieger waren Helden für mich. Es schien unerreichbar, aber es wurde ein riesiges Ziel, einmal als Gesamtsieger da oben auf dem großen Balkon vor den ganzen Menschen zu stehen. Von 2009 bis einschließlich 2012 hatte Porsche Romain (Dumas) und mich an Audi ausgeliehen.

2010 hat es mit dem Balkon geklappt. 2010 hatte ich das Glück, den Start und das Ziel zu fahren. Das sind die beiden geballten Emotionsladungen des Rennens. Es war mein erster Le-Mans-Start und dazu gehört ein gewaltiger Spannungsaufbau über Stunden. Die Einführungsrunde ist Adrenalin pur. Und auf der letzten Runde standen die Marshalls auf der Strecke, winkten mit allen Flaggen, wir fuhren im Konvoi über die Ziellinie. Das sind Eindrücke und Gefühle, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Die letzten Minuten im Auto waren sehr persönlich. Da lief ein Film ab, der alles zurückbrachte: Kindheitsträume, die Unterstützung durch meine Eltern, die harte Arbeit. Ich empfand Genugtuung. Als ich auf dem Podium stand mit all den abertausenden Fans im Blick, wirkte das für mich völlig surreal. Tom Kristensen stand neben mir und fragte: ‚Sag’ mal, freust du dich denn gar nicht?’ Ich war wie erschlagen von den Ereignissen. Der inzwischen leider verstorbene Journalist Gustav Büsing sagte zu mir: ‚Jetzt bist du Le-Mans-Sieger, das bleibt für immer.’ Das war sehr bewegend. Ich weiß: Egal, wie gut du bist als Rennfahrer, es ist nie gesagt, dass du dieses Rennen jemals gewinnst. Das Ausmaß, die Dauer, die Dramen – Le Mans ist unplanbar. Ich bin sehr dankbar.

Allan McNish erzählte mir später einmal, dass er seinen ersten Le-Mans-Sieg gar nicht richtig habe begreifen und genießen können, weil alles auf ihn niederprasselte. Erst beim zweiten Mal sei das gelungen. Das will ich mit Porsche erleben!“

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